Das Bewusstsein

Die Frage, was Bewusstsein ist, sorgt für kontroverse Diskussionen sowohl in den Naturwissenschaften, als auch in der Philosophie. Die aktuelle Forschung gliedert sich in eine Vielzahl von Teilgebieten, die versuchen, sich dem Begriff des Bewusstseins von unterschiedlichen Standpunkten aus anzunähern. Das grundsätzliche Problem liegt darin, dass es eine große Schwierigkeit darstellt, das Phänomen "Bewusstsein" so zu definieren, dass verständlich wird, was dieses ausmacht. Es ist nicht klar, was genau Bewusstsein konstituiert, welche Funktion ihm zukommt und welche Tierarten ein Bewusstsein entwickelt haben könnten.

Theorien zum Bewusstsein

Man unterscheidet in der Philosophie reduktionistische Theorien, die davon ausgehen, dass Bewusstsein messbaren Gegebenheiten oder nachvollziehbaren Prozessen im Gehirn entspricht, und anti-reduktionistische Modelle, die das Phänomen als eigenständig darstellen. Die reduktionistischen Ansätze bieten einen großen Spielraum für eine Zusammenarbeit mit den Neurowissenschaften, weil sie unter Anderem zeigen wollen, dass das Gehirn, als Träger des Bewusstseins, neuronale Korrelate zu jedem Bewusstseinsinhalt aufweist. Das bedeutet, die Forschung zielt auf die Entschlüsselung des kausalen Zusammenhangs zwischen bestimmten elektrischen Signalmustern im Gehirn und Bewusstseinsinhalten. Die Argumentation der Anti-Reduktionisten setzt dem entgegen, dass auf diese Weise nicht zu klären sei, welcher Art die Transformation solcher Impulse zu einer subjektiven Wahrnehmung des bewussten Individuums sei. Es scheint jedoch allgemein anerkannt, dass Bewusstseinszustände mit messbaren Zuständen des Gehirns zusammenhängen. Dies wird zum Beispiel in der Medizin umgesetzt, indem man Medikamente verabreicht, die die Reizübertragung im Gehirn psychisch erkrankter Menschen normalisieren sollen. Eine weitere wichtige Rolle spielt die Erforschung des Bewusstseins in der Robotik. Künstliche Intelligenz und lernfähige Robotersysteme werden längst nicht mehr als "Spinnereien" abgetan. Erste Roboter, die zu selbstständiger Bewegungsoptimierung in der Lage sind, wurden bereits gebaut.

Schlussfolgerungen zur Theorie des Bewusstseins

Die Forschungsergebnisse werfen moralische Fragen auf. Wenn Tiere, oder zumindest bestimmte Tiere, ein Bewusstsein haben - aktuell wähnt die Forschung die warmblütigen Wirbeltiere als gute Kandidaten - bedeutet dies unter Umständen, dass sie in ihrer Leidensfähigkeit dem Menschen ähneln. Somit erhält, unter Anderem, die Kritik am Experimentieren mit Versuchstieren eine neue Antriebsquelle. Auch die Robotik ist ethisch nicht unbedenklich, denn künstliche Systeme, die sich unterschiedlichen Kontexten selbstständig anpassen, könnten zum Beispiel zu Kriegszwecken eingesetzt werden. Auch ist nicht ohne Weiteres abzutun, dass der Mensch, falls es möglich sein wird, Robotern Bewusstsein zu "programmieren", seinen Platz in der Welt neu definieren müsste, da das Bewusstsein, die Vernunftbegabtheit und all das, was den Menschen charakterisiert, nun auch Merkmal anderer existenter Systeme wäre.